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03.04.2011 - 10.00 Uhr Der Anfangsverdacht hat sich bestätigt. Inzwischen dürfte definitiv klar sein, dass es sich bei den angeblichen frühchristlichen "Ringbüchern" in der Tat um simple Fälschungen handelt. Daniel O. McClellan macht auf seiner Webseite auf einen Email-Wechsel zwischen Dr. Thonemann MA, DPhil (Oxon), und David Elkington aufmerksam. Elkington hatte dem Experten im September 2010 Bilder von Bronzeplatten mit griechischer Inschrift zur Beurteilung zugesandt, woraufhin dieser nach kurzer Prüfung seine Karriere darauf verwettete, dass es sich dabei um Fälschungen handelt: Der Text wurde von einem 108/9 n. Chr. datierten Grabstein aus Madaba in Jordanien übernommen - allerdings nicht fehlerfrei, der Fälscher konnte offenbar kein Griechisch. Nun finden sich die gleichen Prägungen wie auf den (angeblich aus Nord-Ägypten stammenden) Bronze- auch auf den (angeblich aus einer Höhle in Jordanien stammenden) frühchristlichen Bleiplatten. Offenbar stammen sie aus derselben (Fälscher-)Werkstatt. Der letzte Stand der Dinge:
Daniel O. McClellan: Peter Thonemann on the Lead Codices Vgl. auch den ausgezeichneten Artikel von Roger Viklund (schwedisch) Wer sich über die Unglaubwürdigkeit der ganzen Angelegenheit ein Bild aus "erster Hand" machen will, sei auf den folgenden Link verwiesen; der angebliche Fund als "PR stunt" für Elkington's neues Buch:
Could this couple's Bible 'codices' tell the true story of Christ's
life? Vielleicht sollten sich die Medien vor der Veröffentlichung neuer "Sensationen" das nächste Mal erst einmal bei den Bibliobloggern umhören. James McGrath:
Case closed.
"Ihr wisset, daß
nach zween Tagen Büchersammlung der ersten Christen entdeckt? - Buch und Dokumentarfilm bereits in Arbeit 02. 04 2011 - 12.00 Uhr. Vor ein paar Tagen berichtete die BBC erstmals über die Entdeckung von ca. 70 christlichen Kodizes aus Jordanien. Nach Meinung einiger selbsternannter "Experten" könnte es sich um den wichtigsten archäologischen Fund nach Qumran im Jahre 1947 handeln. Von den ältesten christlichen Schriften, die je entdeckt wurden, ist die Rede. Die Kodizes seien noch älter (!) als die paulinischen Schriften und sollen angeblich Anspielungen auf den Messias sowie auf Kreuzigung und Auferstehung Jesu enthalten. "Der britische Experte für religiöse Archäologie David Elkington ist einer der wenigen, die die Funde gesehen haben: Er spricht gegenüber der BBC von der womöglich 'wichtigsten Entdeckung in der Geschichte der Christenheit'. Vor allem eine Reihe von bildlichen Darstellungen auf den Buchdeckeln und in ihrem Innern spreche für ihren christlichen Hintergrund. Er habe den Eindruck (!), dass einer der Texte vom Kommen des Messias spreche, und halte eine der abgebildeten Figuren für eine Darstellung Jesu. Dass einer der Buchdeckel den siebenarmigen Leuchter zeige, spreche ebenfalls für einen christlichen Ursprung der Bücher, denn für Juden sei damals die Abbildung eines solchen Tempelgerätes strikt verboten gewesen." (Quelle goria.tv).
Angeblich soll auch eine direkte
Anspielung auf den Text der Offenbarung des Johannes gefunden worden
sein (was nicht unbedingt für eine Entstehung der Schriften im 1.
Jahrhundert spricht, da die Apokalypse zu Beginn des 2. Jahrhunderts
entstand...). Wäre dies alles richtig, bedürfte das bisherige
Bild Leben der frühen
Christen, die auf ihren Herrn warteten, noch der Ergänzung: Ihre Zeit
bis zur Wiederkunft vertrieben sie sich schon gleich nach der Kreuzigung
mit Guss und Prägung bleierner Ringbücher. Auch der Sinn der Worte über
die Schriften des Paulus im 2. Korintherbrief 10:10 - "Denn seine
Briefe wiegen schwer" - erschiene in einem ganz neuartigen Licht.
Nach Angaben der Israel Antiquities
Authority (IAA) sind die Bücher "eine Mixtur aus inkompatiblen
Stilepochen ohne Zusammenhang und Logik. Solche gefälschten Motive
gibt es auf dem jordanischen Antiquitätenmarkt und anderswo in Nahost
tausendfach." ***
David/Paul Elkington (laut yahoo-Nachrichten ein "britischer
Archäologe und Gelehrter für Antike Religionsgeschichte") ein
"Hochstapler"? Aus der Buchbeschreibung "Name of the Gods" des "Experten" David/Paul Elkington: "The Ancients knew the secrets of vibration and with that, they knew the power of names - the speaking of them and the giving of them, holy names, God's names and also titles such as Jesus, Mary and Anna. What's more, this was not just a local knowledge, it was world-wide. This is why the versions of these three names are to be found the world over, predating Christianity by thousands of years. And they are clues to spiritual technology itself, always connected to places and times of vibrational power."
Wichtiger christlicher Schriftenfund in Jordanien?(BBC) Ancient Christian Books Found (youtube) Ein bemerkenswerter Email-Wechsel: Elkington erklärt darin, der Fund stamme aus Nord-Ägypten und nicht aus einer Höhle in Jordanien Jordanian metal plates may actually be a forgery . |
Wie kann das Alter der Funde aufgrund einer metallurgischen Prüfung bestimmt werden?
Ein Email-Wechsel mit
Sehr geehrter Herr Dr.
Nordbakke,
Sehr geehrter Herr
Dr. Detering,
Unter "initial metallurgical
tests" verstehe ich Ermittlungen, die nur ein Mindestmaß an Zeit und Geld
erfordert haben. Dr. Northover sagt lediglich, dass die Korrosion, die sich
an der Oberfläche des Metalls zeige, antiquarisch aussehe, mehr nicht. Die
Aussage basiert vermutlich auf einer visuellen Inspektion der Oberfläche. Er
hätte bemerken müssen, dass der Umfang einer Korrosion nicht nur von der
Zeit, sondern zusätzlich von einer Reihe anderer Faktoren abhängt.
Wenn von der Zusammen-setzung
des Werkstoffs die Rede ist, sind wir auf dem Gebiet der physikalischen
Analytik. Da es sich um eine den Werkstoff nicht zerstörende Messung handeln
muss, dürfte Röntgenbeugung (XRD) zum Einsatz gekommen sein: ein ergiebiges
Gebiet. Dabei können relativ große Untersuchungsobjekte bestrahlt werden,
ohne dass man die Probe zersägen muss. (Die erforderliche Probenpräparation
begrenzt sich auf ein Minimum.) Ziel einer derartigen Untersuchung ist es,
möglichst viel über die Feinstruktur der Probe zu erfahren. Anhand eines
"Beugungsdiagramms" ist es möglich, kristalline Phasen zu identifizieren und
Aussagen über die Spannungen im Material, die Korngröße usw. zu treffen.
Diese Aussagen sind allerdings nur qualitativer Art. Es ist feststellbar, ob
ein bestimmtes Korrosionsprodukt oder gewisse Verunreinigungen vorhanden
sind oder nicht, aber der genaue Volumenanteil einer bestimmten Phase lässt
sich nicht ermitteln. Aussagen quantitativer Art setzen wesentlich
aufwendigere Untersuchungen voraus, wobei der zu untersuchende
Grundwerkstoff als feinkörniges Pulver vorliegen muss. Das war hier
sicherlich nicht der Fall.
Unrealistische Vorstellungen von
der Aussagekraft einer Röntgenfeinstrukturanalyse sind mir schon begegnet,
und gewisse Formulierungen deuten darauf hin, dass genau solche
Vorstellungen zu der hier vorhandenen Euphorie beigetragen haben. Die
Metallurgen hätten davor warnen müssen. Wenn Dr Northover sagt, das Material
der Bleiplatten sei "consistent with a range of ancient lead...”, so kann
das nur heißen, dass die Messergebnisse zu unspezifisch sind, um eine
quantitative Aussage über die Zusammensetzung der Bleiprobe zu erlauben,
oder präziser gesagt: Es gibt eine ganze Reihe verunreinigter
Bleiqualitäten, die sich mittels des eingesetzten Verfahrens nicht
unterscheiden lassen würden. Es ist deshalb fraglich, ob das Messergebnis
überhaupt Relevanz für die Datierungsfrage besitzt.
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