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- FAQ -

1. Was ist "Radikalkritik"?


Die Webseite www.radikalkritik.de wurde im Jahre 2000 von dem Theologen  Dr. Hermann Detering ins Leben gerufen. Sie beschäftigt sich kritisch mit den historischen Wurzeln des Christentums. Neuerdings werden in diesem Zusammenhang immer öfter auch sich daraus ergebende allgemeine religiöse und theologische Fragen diskutiert.

Ein besonderer Schwerpunkt dieser Seite besteht darin, mit den Arbeiten der sogenannten "Radikalkritiker" bekannt zu machen. So wird in der Geschichte der Erforschung des Neuen Testaments eine Gruppe niederländischer Wissenschaftler aus dem 19. und 20. Jahrhundert genannt. Der letzte von ihnen war der Hochschullehrer Gustaaf Adolf van den Bergh van Eysinga, der im Jahre 1957 verstarb. Ihren Namen verdankten die Kritiker der Tatsache, dass  sie die herkömmlichen Theorien über die Entstehung des Christentums "radikal" in Frage stellten und nicht nur die Echtheit sämtlicher Paulusbriefe, sondern auch die Existenz eines historischen Jesus bezweifelten. Die meisten Kritiker waren christliche Theologen, bemühten sich jedoch gleichwohl um ein undogmatisches, rein historisches Verständnis der überlieferten christlichen Schriften. Weil sie ihre Aufgabe darin sahen, mit ihrer Kritik auf den Grund des frühen Christentums und des überlieferten Glaubens zu gehen, ließen sie sich im Übrigen gerne die (für unsere heutigen Ohren etwas problematische) Bezeichnung "Radikale" gefallen. Das Wörtchen radikal stammt von radix = Wurzel -  eine Kritik, die an die "Wurzeln" geht, war auch das erklärte Ziel der niederländischen Kritiker.

2. Wie entstand die Webseite radikalkritik.de ?

Den Herausgeber dieser Seite leitete die Überzeugung, dass die Grundideen der damaligen "Radikalen" keineswegs veraltet sind, sondern weiterentwickelt und mit heutigen Ansätzen der Erforschung der frühchristlichen Geschichte ins Gespräch gebracht werden müssen. Dazu mussten sie allerdings überhaupt erst einmal bekannt gemacht werden. Die Unkenntnis über die Theorien der "Radikalen" war und ist, wie der Autor aus eigener Erfahrung wusste, auch in Theologenkreisen sehr groß ist.

Da der Herausgeber weder für das eine noch das andere in den einschlägigen theologischen Foren und Medien Möglichkeiten der Publikation und Diskussion radikalkritischer Thesen fand, erwies sich das Internet als Glücksfall.  Für relativ geringe finanzielle Mittel stand dort unbeschränkter Raum zur Veröffentlichung von Schriften, ja selbst ganzen Büchern zur Verfügung. Es ergaben sich Möglichkeiten zur Diskussion und zum Publizieren eigener Beiträge - ohne jede Zensur und Beschränkung.

Klar war allerdings von vornherein auch, dass die Reaktion der "offiziellen" Theologen darauf eine ähnliche sein würde wie schon bei den Vorgängern und dass die Thesen dort entweder "radikal" abgelehnt, totgeschwiegen oder lächerlich gemacht bzw. ins wissenschaftliche Abseits gestellt würden. Entschädigt wurde der Herausgeber durch die Zahl derjenigen LeserInnen (darunter auch Amtsträger, die lieber anonym bleiben wollten), die bestätigten, dass sie durch die Seite neu zum Nachdenken (vor allem über Fragen zum Verhältnis von Glauben und Geschichte) angeregt worden waren. Manchen erging es auch wie dem Herausgeber selber: Die radikalkritischen Thesen wurden zum "eye-opener", mit dessen Hilfe sich nicht nur der Nebel der frühchristlichen Geschichte ein wenig lichtete, sondern auch Glaubensfragen klärten.

3. Was sind "Mythizisten"?

Durch die Veröffentlichung des Bibelwissenschaftler Bart Ehrman "Did Jesus exist?" sind die "mythicists" (die hier - etwas unschön - als "Mythizisten"  übersetzt werden) in den USA in die öffentliche Diskussion gerückt. Damit sind Autoren, Blogger, Forenteilnehmer etc. gemeint, die die Existenz eines historischen Jesus bestreiten und die Meinung vertreten, dass das neutestamentliche Jesusbild auf der Grundlage heidnischer Mythen entstanden sei. Der "mythicism" ist mithin eine angelsächsische Variante der Radikalkritik, mit der er viele Thesen gemeinsam hat. Vielfach ließen sich  Mythizisten durch ältere radikalkritische Werke anregen. Allerdings lassen die Veröffentlichungen einiger modernen Autoren oftmals wissenschaftliche Methode  und Sorgfalt vermissen, was man von den Radikalkritikern der "alten Schule" sicher nicht sagen kann. Eine seriöse Aufnahme der alten Fragestellungen findet sich unter anderem bei Robert M. Price, G.A. Wells, Earl  Doherty, Thomas Thompson und Richard Carrier  (vgl. http://www.centerforinquiry.net/jesusproject). Die Autoren haben zum Teil einen recht unterschiedlichen weltanschaulichen Hintergrund. Die Bestreitung der Echtheit sämtlicher Paulusbriefe, das alte Merkmal der holländischen Radikalen, findet sich heute - abgesehen von Hermann Detering - allerdings nur bei Robert M. Price.  Zusammen mit dem inzwischen verstorbenen Darrel J. Doughty war Price Herausgeber des Journal of Higher Criticism, in  dem neben u.a. auch Richard Carrier, George Wells, Earl Doherty, Robert Eisenman, Jacob Neusner, George Albert Wells und Hermann Detering Artikel veröffentlichten. Die letzte Ausgabe des JHC erschien 2003.