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Dr. theol.
Hermann Detering
Gästebuch
Zum Gästebuch-Archiv 2001-2010
Zu guter
Letzt
Zu
lang fürs Gästebuch...
Sehr geehrter Herr Dr.
Detering,
seit einigen Jahren lese ich mit Interesse Ihre Website und
die darauf verlinkten Artikel und Rezensionen.
Religionsgeschichte und Theologie faszinieren mich seit
meiner Jugend, einer Kirche gehöre ich bis heute nicht an.
Ich kann fachlich überhaupt nicht beurteilen, wie es um die
wissenschaftliche Fundierung Ihrer zum Teil als sehr kühn
erscheinenden Hypothesen bestellt ist aber mir scheint,
viele Ihrer Kritiker, die sich in Rezensionen und in Ihrem
Gästebuch Luft machen, können das auch nicht. Umso mehr
erschreckt mich die Häme und Aggressivität mancher
Reaktionen. Sie erinnert mich auf unangenehme Weise daran,
wie man in der ehemaligen DDR, in der ich aufgewachsen bin,
unliebsamen Kritikern entgegentrat.
Die Parallelen sind wirklich unübersehbar.
Da wird die moralische Keule geschwungen, dass man kein
gutwilliger und anständiger Mensch sein könne, wenn man die
marxistische bzw. christliche Lehre in irgendeiner Hinsicht
anzweifle.
Man wird beschuldigt, an dem Ast zu sägen, auf dem ganze
Völker sitzen und für den drohenden katastrophalen Fall
verantwortlich gemacht.
Beliebt ist auch der Vorwurf, dass man sich auf Argumente
beziehe, die längst auf dem Müllhaufen der Geschichte;
gelandet seien und somit keiner ernsthaften Betrachtung
wert.
Dann gibt es die herablassende Ermahnung, man möge doch
bitte nicht zu weit gehen, weiter zum Beispiel als andere,
die durch ihren akademischen Grad, ihr Lebensalter oder
gesellschaftliche Verdienste hoch über einem stünden.
Und schließlich fehlt auch die Anklage nicht, dass man nicht
den in Frage stellen dürfe, dessen Brot man esse. Die Partei
oder Kirche wird dazu aufgerufen, sich von solchen
subversiven Elementen zu reinigen.
Als Gorbatschew zu Perestroika und Glasnost aufrief, war das
Gesellschaftssystem, das sich kommunistisch nannte, bereits
nicht mehr zu retten. An Stimmen, die ihn für den
Zusammenbruch dieses Systems verantwortlich machen wollten,
hat es seither nicht gefehlt. Auch nicht an Äußerungen,
wonach die kommunistische Ordnung trotz aller Defizite immer
noch besser war, als der nachfolgende Verlust gewohnter
Werte und Strukturen. Nun mögen christliche Theologen und
Kleriker angesichts einer zweitausendjährigen Geschichte
verächtlich auf die vergleichsweise kurze Lebensdauer
kommunistischer Ideologie und Praxis herabsehen. Aber auch
sie müssen sich der Tatsache stellen, dass nicht ihre
Fundamentalisten es sind, die dem Christentum einen
dauerhaften Platz in den Köpfen und Herzen der Menschen
sichern werden.
Was an dieser Religion sich letztlich als unverlierbar
erweisen könnte, das dürfen wir vermuten und erhoffen,
wissen können wir es nicht.
Wer Beiträge wie Mark Johnstons "Saving God. Religion after
Idolatry" gelesen hat, mag sich verunsichert fragen, wie
viel oder wenig da tatsächlich gerettet wurde. Er mag es,
wenn er denn überhaupt den Mut findet, derartiges zu lesen
(und seine Ablehnung nicht mit allerlei vorgeschobenen
Gründen entschuldigt) betrüblich finden, was ihm da
zugemutet wird und vor dem drohenden Verlust liebgewonnener
Überzeugungen zurückschrecken. Das sind menschliche und
verständliche Reaktionen. Aber sie sind nicht demjenigen
anzulasten, der in geistiger Freiheit Äußerungen gewagt hat,
die unsere bisherigen Überzeugungen antasten. Wem es damit
wohler ist, solche Herausforderungen als von Satan
gesteuerte Versuchungen abzutun, dem sei diese Einstellung
unbenommen. Aber die Meinungs- und Gedankenfreiheit kann
nicht zur Disposition stehen. Sie mag nicht der Menschheit
höchstes Gut sein aber sie ist ein unverzichtbares. Die
Forderung, christliche Selbst- und Querdenker mögen bitte
zuallererst einmal die Kirche verlassen, um nicht als Wölfe
im Schafspelz zur Bedrohung für die braven Schafe zu werden,
ist nicht akzeptabel.
Wie schon gesagt, weiß ich überhaupt nicht, in welchem Maße
Ihre theologischen Hypothesen, z.B. bezüglich der Person des
Paulus, der historischen Realität nahe kommen. Aber darum
geht es auch nicht. Sondern darum, dass - entsprechend dem
Motto ihrer Website - gezweifelt und hinterfragt werden darf
und soll und zwar nicht nur im stillen Kämmerlein, sondern
öffentlich.
In diesem Sinne danke ich Ihnen für www.radikalkritik.de und
wünsche Ihnen beruflich und privat weiterhin von Herzen
alles Gute.
U.C.
Zu guter
Letzt:
Wie Ur-Ur-Großvater
Bernhard Heinrich Bultmann-Detering die
Bultmann-Stelle in
Eydelstedt erwarb.
