Spuren indischer Philosophie bei Basilides – 2. Teil: Religionsgeschichtliche Schnittmengen

Abb. : Das kosmologische System des Basilides

1.    Platonischer Hintergrund?

Als Ergebnis des ersten Teils dieser Untersuchung konnten wir feststellen, dass Basilides zweifellos über Kenntnisse der indischen Philosophie, insonderheit des Sāṃkhya, verfügte. Selbstverständlich soll damit noch nicht behauptet werden, dass auch seine eigene Theologie davon beeinflusst wurde. Deren DNA wird heute immer noch unter fast vollständiger Ausblendung dieser Möglichkeit bestimmt, wohl weil sie, aus Gründen, die schon genannt wurden, als „unmögliche Möglichkeit“ betrachtet wird. Wie schon im ersten Teil angedeutet, gibt es für die meisten Wissenschaftler auf die Frage nach der Herkunft der von Basilides verwendeten Traditionen in der Regel nur eine einzige Antwort und die lautet: Plato!

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Neue Taschenbuchausgabe des „Gefälschten Paulus“

Zu meiner Freude steht „Der Gefälschte Paulus“ (Kindle-Ausgabe) seit ein paar Wochen auf Platz Eins bzw. Zwei (mal so, mal so) der amazon-Bestsellerliste „Bibelarbeit, Kommentare & Auslegungen“.

Ich erhielt in diesem Zusammenhang oft Anfragen, ob das Buch auch in nicht-elektronischer Form erhältlich sei. War es nicht (mehr). Deswegen habe ich kurzerhand eine leicht überarbeitete Paperback-Ausgabe daraus gemacht. Die ist hier erhältlich.

 

The Fabricated Paul. Paperback Edition 2018.
English Translation by Prof. Darrell Daughty†, 2003.

 

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Buddha, Josua, Jesus und der Weg zum anderen Ufer

René Salm (Verfasser von „The Myth of Nazareth“ und  „Nazareth Gate: Quack Archeology, Holy Hoaxes, and the Invented Town of Jesus“) hat damit begonnen, einen mehrteiligen Kommentar über meine Studie  zur gnostischen Interpretation des Exodus zu verfassen (jetzt als Buch unter dem Titel: Buddha, Josua, Jesus und der Weg zum anderen Ufer).

Die Kommentar-Reihe von René Salm lässt sich hier abrufen. Bisher sind 2 Teile erschienen.

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Inszenierte Fälschungen – Die Paulusbriefe in der holländischen Radikalkritik

Das Buch basiert auf meiner 1992 bei Peter Lang in der Reihe Kontexte erschienenen Dissertation: Paulusbriefe ohne Paulus? Die Paulusbriefe in der holländischen  Radikalkritik. Für die Neuausgabe wurde der Text gründlich korrigiert, überarbeitet, außerdem teilweise gekürzt und der neuen Rechtschreibung angepasst.

Auf die seit 1992 veränderte Forschungslage bin ich nur sporadisch eingegangen, sonst hätte das letzte Kapitel neu geschrieben werden müssen. Lediglich dort, wo sich radikalkritische und heutige Forschungsposi­tionen wieder eng berühren (Ignatiusbriefe, 1. Clemens­brief), wurden Hinweise auf die moderne Literatur eingestreut.
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Spuren indischer Philosophie bei Basilides – Basilides referiert Sāṃkhya

Dass der frühchristliche Häretiker Basilides durch indische Philosophie beeinflusst worden sein könnte, wurde bereits im 19. Jahrhundert von einigen Wissenschaftlern vermutet. Meist waren es Indologen, die die These vertraten, nur wenige Theologen, wie z.B. Justus L. Jacobi, schlossen sich ihnen an. In dem Gnosis-Artikel der zweiten Auflage der Protestantischen Realenzyklopädie – eine bemerkenswert klare, bis heute lesenswerte Darstellung des basilidianischen Systems – geht Jacobi der Herkunft der Bezeichnung Gottes als des „Nichtseienden“ bei Basilides nach. Einen Zusammenhang mit Philo will Jacobi nicht ausschließen, aber noch wahrscheinlicher erscheint ihm, „dass die buddhistische Idee des Nirwana von ihm aufgenommen ist … Von der Verbindung Indiens mit Ägypten und Vorderasien finden wir im 2. u. 3. Jahrhundert so viele Spuren, dass der Einfluss des Buddhismus ohne historische Schwierigkeiten angenommen werden darf.“

Die These wurde auch von Helena Blavatsky und ihrer theosophischen Gesellschaft aufgegriffen. Blavatsky sah darin eine Bestätigung für ihre Theorie einer indischen Beeinflussung der frühchristlichen Gnosis.                        WEITERLESEN

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„Wir brauchen eine poetische Betrachtungsweise der Bibel“

Interview mit Herrn Dr. Hermann Detering

Dieter Wiergowski:

Ein Hauptargument der Kirche ist ja, dass es außerchristliche Autoren gibt, die über Jesus berichten. Das sind Folgende:

  1. Das zweifache Zeugnis des jüdischen Historikers Flavius Josephus (Ant 20,200 und Ant 18, 63-64, sogenanntes Testiınonium Flavianum)
  2.  Das Zeugnis des römischen Historikers Tatitus über den Brand von Rom und die neronische Christenverfolgung (Ann 15,44)
  3.  Der Bericht des römischen Statthalters Plinius d.J.in einem Brief an den Kaiser Trajan und dessen Antwort (ep 10,96 bis 97)
  4. Zwei Stellen aus dem Werk des römischen Geschichtsschreibers Sueton (Suet. Claud. 25,4; Suet.Nero 16,2)
  5. Ein erst neuerlich ins Spiel gebrachter Brief des Syrers Mara bar Serapion an seinen Sohn Serapion, der irgendwann nach 72 n. Chr. geschrieben sein soll
  6. Und eine ominöse Passage aus dem verloren gegangenen und nur bei Julius Africanus und Georgius Synkellos in Auszügen erhaltenen Geschichtswerk des Thallus (nach 50 n. Chr.)

Also: Gibt es einen einzigen außerchristlichen hundertprozentigen Beweis, dass Jesus wirklich existiert hat?

Dr. Hermann Detering:

Nach meiner Ansicht keinen einzigen. Sie haben die sechs entscheidenden außerchristlichen Zeugen genannt. Man  sah  darin  unabhängige  Quellen.  In  Wahrheit  wurden  sie  christlich  überarbeitet  –  was  angesichts  der  antiken  und mittelalterlichen Methode der handschriftlichen Überlieferung nicht weiter verwundert. Für einen christlichen Kopisten war es ein Leichtes, den vorliegenden Text in seinem Sinne zu verbessern oder zu „ergänzen“.  → weiterlesen

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Fundierter und spannender Überblick

Rezension zu Hermann Detering:
„Christi Brüder – Wie heidnische Mythen das Christusbild prägten – Eine Revision“, 2017

Von Dr. Dr. Harald Specht

Was den Haupttitel mit Christi Brüder bewusst ambivalent einleitet und bereits im Vorwort in Parenthese gesetzt wird, ist Untersuchungsgegenstand des neuen Buches von Hermann Detering: Die antiken Mysteriengottheiten Attis und Adonis/
Tammuz als heidnische Vorläufer bzw. „Brüder“ Christi.

Ausgehend von den fundamentalen Untersuchungen des schottischen Religionsethnologen J. G. Frazers zum Vergleich von Mythologie und Religion (1890) und den seither diskutierten Parallelen zwischen zahlreichen antiken Gottgestalten, Halbgöttern und Heroen auf der einen und dem christlichen Heiland auf der anderen Seite, analysiert der Autor in einer breit angelegten Übersicht das Für und Wider dieses Ansatzes. Da dieses Thema nicht neu ist und bereits seit über einem Jahrhundert mal mehr und mal weniger tiefgründig aufs Tapet gebracht wurde, kennzeichnet Detering sein neuestes Buch in einem weiteren Untertitel denn auch habil. als „Eine Revision“. Genau in diesem Wortsinn ist dem Verfasser somit eine eingehende Überprüfung und (notfalls auch) Korrektur derartiger Thesen über die „Dying and rising Gods“ möglich.→ weiterlesen

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Wie heidnische Mythen das Christusbild prägten

Eine Revision

Nur der ist ein wahrer Katholik, der die Kathedrale seiner Seele
über heidnischen Krypten errichte
t.
Nicolás Gómez

Besaßen die Evangelisten bei ihrer Darstellung Jesu pagane Vorbilder? Wurde ihr Bild vom leidenden und auferstehenden Heiland durch das Schicksal der „Dying and rising Gods“ bestimmt? Waren antike Mysteriengottheiten wie Attis, Adonis, Herakles, Osiris usw. heidnische Vorläufer bzw. „Brüder Christi“?

Nachdem Religionsgeschichtler und Theologen lange Zeit meinten, gute Gründe für eine solche Annahme zu haben, bahnte sich Mitte des letzten Jahrhunderts ein Wandel an. Einerseits wurden die Parallelen zwischen Jesus und den Mysteriengottheiten zunehmend in Zweifel gezogen. Andererseits hob man wieder die Originalität und Einmaligkeit der neutestamentlichen Jesusgestalt hervor.

Das Buch zeigt, dass die Wissenschaft dabei viel zu pauschal und undifferenziert vorgegangen ist. Häufig war nichts anderes als christliche Apologetik und wissenschaftliche Profilierungssucht im Spiel. Einzelne Korrekturen an der Konzeption der „Dying and rising Gods“ sind durchaus berechtigt. Doch besteht kein Anlass, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Nach wie vor gilt, dass antike Mysteriengottheiten und deren Kulte offenbar entscheidend zur Ausgestaltung des neutestamentlichen Christusbildes beigetragen haben.

Der erste Band beschäftigt sich ausführlich mit Attis, Adonis und Tammuz, ihrem Kult und ihren Festen. Ein weiteres Kapitel ist den mythischen Müttern der Gottheiten gewidmet. Die Beschäftigung mit Kybele, Aphrodite, Astarte/Aschera, Ischtar und Isis gibt zur Auseinandersetzung mit VertreterInnen der sogenannten Feministischen Theologie Anlass.

Das Buch „Christi Brüder“ ist als Kindle Version hier und als Taschenbuchversion hier erhältlich.  HD

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Jan Kozák und die Wiedergeburt des Buddhismus im Christentum

Aleš Pořízka aus Prag, auf dessen Webseite Fidelo ich bereits vor ein paar Monaten hinwies, machte mich jüngst auf den tschechischen Sankskrit-Experten und Autor Jan Kozák aufmerksam, dessen Überlegungen sich an vielen Punkten mit den von mir geäußerten Annahmen zur Genese des frühen Christentums überschneiden. Kozák veröffentlichte unter anderem die kommentierte Übersetzung einiger Texte aus Nag Hammadi unter besonderer Berücksichtigung des Thomas-Evangeliums: Evangelium “neznámého” boha (Das Evangelium des „Unbekannten“ Gottes), Praha, Bibliotheca gnostica 1994, und die kommentierte Übersetzung einer Auswahl von Texten aus Hippolyts Refutatio: Hippolytus: Vymítání všeho kacířstva (Hippolytus: Widerlegung aller Häresien), Praha, Bibliotheca gnostica 1998. Weitere Titel finden sich hier. Ich referiere seine Theorien im folgenden im Anschluss an die mir vorliegende Paraphrase  Aleš Pořízkas.

Nach Kozák ist die ursprüngliche Gnosis weder im Judentum noch im Neuplatonismus entstanden, sondern ist vielmehr ein Produkt der indisch-religiösen Vorstellungswelt (Sankhya und Mahayana-Buddhismus). Kozák ist davon überzeugt, dass der ursprüngliche Dualismus der Gnosis in der jüdischen Umgebung schrittweise zurückgenommen wurde. Dieser Prozess kann ihm zufolge in den in die gnostischen Texte interpolierten alttestamentlichen Zitaten und scheinbaren Parallelen verfolgt werden: Sie zeigen, dass die Gnosis allmählich in ihr materielles Gegenteil, den chtonischen Kult des kanonischen Christentums umgeschlagen ist. Am Ende wurde der höchste Gott der Gnosis mit dem Demiurgen Jahwe, das Kreuz als Symbol der Flussüberquerung mit dem Folterwerkzeug identifiziert, die Zeremonie des Soma-Tranks wurde zum chthonischen Getränk des Blutes Gottes.

Kozák stellt außerdem fest, dass die Zitate in den von Hippolyt zitierten gnostischen Texten oft mit einem doppelten “dicit” auftreten, von denen mindestens ein “dicit” aus Hippolyts Quelle kommen muss – nach Kozák ein Hinweis darauf, dass Hippolyt nur eine einzige Quelle besaß, die Große Verkündigung des Simon Magus. Auf dieser Grundlage gelangt er zu seiner Auffassung, dass Hippolyt nur Simons Schrift zur Verfügung stand und die darin vertretenen Lehren auch auf andere Gnostiker, von denen er in der Regel keine Kenntnis besaß, übertrug. Kozák kommt schließlich zum Schluss, dass der Gründer des Christentums kein anderer als Simon Magus war (die vollständige Argumentation findet sich hier).

Wer an Kozáks Thesen interessiert und des Tschechischen mächtig ist, oder aber über ein gutes Übersetzungsprogramm verfügt, erfährt hier mehr.  HD

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