Wichtiger Nachtrag zu „Amatoria carmina studiose discunt“

Zu meinem Aufsatz „Amatoria carmina studiose discunt – Basilides und die Oden Salomos“ gibt es nun einen wichtigen Nachtrag, auf den ich auf diesem Wege aufmerksam machen möchte. An einer mir bisher unbekannten Stelle im Brief des Hieronymus an seinen Rivalen Vigilantius (c. 6) bezieht sich der Kirchenvater ausdrücklich auf ein (gefälschtes) „Zeugnis Salomos“, das Vigilantius dem „schon sehr alten Ketzers Basilides und einer sehr unverständigen Wissenschaft“ Basilides, verdanken soll:

…weil du an dem Fuße der Pyrenäen in der Nähe Spaniens wohnst [könntest du]  die unglaublichen Namensungeheuer (portenda = eigentlich Fiktionen] des schon sehr alten Ketzers Basilides und einer sehr unverständigen Wissenschaft aufwärmen und ausstellen, was das Ansehen des ganzen Erdkreises verdammt. Denn in deinem kleinen Kommentare führst du ein Zeugnis von Salomo, als ob es für dich spräche, an, welches aber Salomo gar nicht geschrieben hat, so daß du , wie du einen andern Esdras, so auch einen andern Salomo hast.

Die Passage, die ein weiteres entscheidendes Argument für die im Aufsatz vertretene These darstellt, wird im Nachtrag besprochen. Zugleich wird meine These, Basilides als (alleiniger) Autor der Oden Salomos, jedoch noch etwas relativiert.

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Traces of Indian Philosophy in Basilides 1-2

Seit der ersten Veröffentlichung ist meine Aufsatzreihe über die Spuren indischer Philosophie bei Basilides auf rege Resonanz gestoßen. Es ist mir eine besondere Ehre mitzuteilen zu dürfen, dass Dr. Michael Lockwood, ein ausgewiesener Kenner indischer Kultur und Philosophie, inzwischen beide Texte  ins Englische übersetzt und somit einer breiteren Leserschaft zugänglich gemacht hat. Dafür ganz herzlichen Dank!

Ich werde oft nach den Gründen für die große Aufmerksamkeit, die ich dem alexandrinischen Häretiker seit geraumer Zeit entgegenbringe, gefragt. Die Antwort ist einfach: Basilides ist ein entscheidendes Verbindungsglied zwischen einer (indisch-buddhistisch gefärbten) Gnosis und dem (daraus hervorgegangenen) frühen Christentum. Daran, dass indischer „spirit“ den Anstoß für die Entstehung der frühchristlichen Religion und auch für die Gestaltung des neutestamentlichen Jesusbildes gegeben hat, habe ich, ebenso wie Dr. Lockwood, Dr. Zacharias P. Thundy  oder Dr. Christian Lindtner, inzwischen nicht mehr den geringsten Zweifel. Insofern ist das Christentum auch für mich im weitesten Sinne eine mit jüdischen  Bildern und Symbolen illustrierte „Sonderform“ indischer Spiritualität. In der (älteren) Gnosis sind die Verbindungen deutlicher als bei den Kirchenschriftstellern.  Altes Testament oder auch klassische Literatur sind sozusagen nur das neue „Gewand“, worin sich dieser „spirit“ gekleidet hat. Von  Gnostikern wie Basilides oder Valentin führt eine unmittelbare Linie zu einigen frühen neutestamentlichen Texten, die, wie z.B. das von beiden Häretikern bezeugte Johannesevangelium, budddhistische Färbung und Handschrift aufweisen (so auch Eugen Drewermann). Auch die sogenannten „Kinderevangelien“, deren buddhistischer Hintergrund seit langem diskutiert wird, sind offenbar durch Gnostiker wie Basilides oder Markus ins frühe Christentum gelangt. Ich hoffe den Nachweis dafür, in  meinem nächsten Buch führen zu können.

Bruno Bauer, dessen 209. Geburtstag gestern begangen wurde, schrieb einst:

„Das Gemüt des neuen Gebildes (= Christentum) kam vom Westen, das Knochengerüst lieferte das Iudentum.“

In der Abwandlung dieses Satzes möchte ich sagen:

„Das Gemüt des neuen Gebildes (= Christentum) kam vom Osten, das Knochengerüst lieferte das Iudentum.“

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Spuren indischer Philosophie bei Basilides – 2. Teil: Religionsgeschichtliche Schnittmengen

Abb. : Das kosmologische System des Basilides

1.    Platonischer Hintergrund?

Als Ergebnis des ersten Teils dieser Untersuchung konnten wir feststellen, dass Basilides zweifellos über Kenntnisse der indischen Philosophie, insonderheit des Sāṃkhya, verfügte. Selbstverständlich soll damit noch nicht behauptet werden, dass auch seine eigene Theologie davon beeinflusst wurde. Deren DNA wird heute immer noch unter fast vollständiger Ausblendung dieser Möglichkeit bestimmt, wohl weil sie, aus Gründen, die schon genannt wurden, als „unmögliche Möglichkeit“ betrachtet wird. Wie schon im ersten Teil angedeutet, gibt es für die meisten Wissenschaftler auf die Frage nach der Herkunft der von Basilides verwendeten Traditionen in der Regel nur eine einzige Antwort und die lautet: Plato!

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Neue Taschenbuchausgabe des „Gefälschten Paulus“

Zu meiner Freude steht „Der Gefälschte Paulus“ (Kindle-Ausgabe) seit ein paar Wochen auf Platz Eins bzw. Zwei (mal so, mal so) der amazon-Bestsellerliste „Bibelarbeit, Kommentare & Auslegungen“.

Ich erhielt in diesem Zusammenhang oft Anfragen, ob das Buch auch in nicht-elektronischer Form erhältlich sei. War es nicht (mehr). Deswegen habe ich kurzerhand eine leicht überarbeitete Paperback-Ausgabe daraus gemacht. Die ist hier erhältlich.

 

The Fabricated Paul. Paperback Edition 2018.
English Translation by Prof. Darrell Daughty†, 2003.

 

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Buddha, Josua, Jesus und der Weg zum anderen Ufer

René Salm (Verfasser von „The Myth of Nazareth“ und  „Nazareth Gate: Quack Archeology, Holy Hoaxes, and the Invented Town of Jesus“) hat damit begonnen, einen mehrteiligen Kommentar über meine Studie  zur gnostischen Interpretation des Exodus zu verfassen (jetzt als Buch unter dem Titel: Buddha, Josua, Jesus und der Weg zum anderen Ufer).

Die Kommentar-Reihe von René Salm lässt sich hier abrufen. Bisher sind 2 Teile erschienen.

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Inszenierte Fälschungen – Die Paulusbriefe in der holländischen Radikalkritik

Das Buch basiert auf meiner 1992 bei Peter Lang in der Reihe Kontexte erschienenen Dissertation: Paulusbriefe ohne Paulus? Die Paulusbriefe in der holländischen  Radikalkritik. Für die Neuausgabe wurde der Text gründlich korrigiert, überarbeitet, außerdem teilweise gekürzt und der neuen Rechtschreibung angepasst.

Auf die seit 1992 veränderte Forschungslage bin ich nur sporadisch eingegangen, sonst hätte das letzte Kapitel neu geschrieben werden müssen. Lediglich dort, wo sich radikalkritische und heutige Forschungsposi­tionen wieder eng berühren (Ignatiusbriefe, 1. Clemens­brief), wurden Hinweise auf die moderne Literatur eingestreut.
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Spuren indischer Philosophie bei Basilides – Basilides referiert Sāṃkhya

Dass der frühchristliche Häretiker Basilides durch indische Philosophie beeinflusst worden sein könnte, wurde bereits im 19. Jahrhundert von einigen Wissenschaftlern vermutet. Meist waren es Indologen, die die These vertraten, nur wenige Theologen, wie z.B. Justus L. Jacobi, schlossen sich ihnen an. In dem Gnosis-Artikel der zweiten Auflage der Protestantischen Realenzyklopädie – eine bemerkenswert klare, bis heute lesenswerte Darstellung des basilidianischen Systems – geht Jacobi der Herkunft der Bezeichnung Gottes als des „Nichtseienden“ bei Basilides nach. Einen Zusammenhang mit Philo will Jacobi nicht ausschließen, aber noch wahrscheinlicher erscheint ihm, „dass die buddhistische Idee des Nirwana von ihm aufgenommen ist … Von der Verbindung Indiens mit Ägypten und Vorderasien finden wir im 2. u. 3. Jahrhundert so viele Spuren, dass der Einfluss des Buddhismus ohne historische Schwierigkeiten angenommen werden darf.“

Die These wurde auch von Helena Blavatsky und ihrer theosophischen Gesellschaft aufgegriffen. Blavatsky sah darin eine Bestätigung für ihre Theorie einer indischen Beeinflussung der frühchristlichen Gnosis.                        WEITERLESEN

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„Wir brauchen eine poetische Betrachtungsweise der Bibel“

Interview mit Herrn Dr. Hermann Detering

Dieter Wiergowski:

Ein Hauptargument der Kirche ist ja, dass es außerchristliche Autoren gibt, die über Jesus berichten. Das sind Folgende:

  1. Das zweifache Zeugnis des jüdischen Historikers Flavius Josephus (Ant 20,200 und Ant 18, 63-64, sogenanntes Testiınonium Flavianum)
  2.  Das Zeugnis des römischen Historikers Tatitus über den Brand von Rom und die neronische Christenverfolgung (Ann 15,44)
  3.  Der Bericht des römischen Statthalters Plinius d.J.in einem Brief an den Kaiser Trajan und dessen Antwort (ep 10,96 bis 97)
  4. Zwei Stellen aus dem Werk des römischen Geschichtsschreibers Sueton (Suet. Claud. 25,4; Suet.Nero 16,2)
  5. Ein erst neuerlich ins Spiel gebrachter Brief des Syrers Mara bar Serapion an seinen Sohn Serapion, der irgendwann nach 72 n. Chr. geschrieben sein soll
  6. Und eine ominöse Passage aus dem verloren gegangenen und nur bei Julius Africanus und Georgius Synkellos in Auszügen erhaltenen Geschichtswerk des Thallus (nach 50 n. Chr.)

Also: Gibt es einen einzigen außerchristlichen hundertprozentigen Beweis, dass Jesus wirklich existiert hat?

Dr. Hermann Detering:

Nach meiner Ansicht keinen einzigen. Sie haben die sechs entscheidenden außerchristlichen Zeugen genannt. Man  sah  darin  unabhängige  Quellen.  In  Wahrheit  wurden  sie  christlich  überarbeitet  –  was  angesichts  der  antiken  und mittelalterlichen Methode der handschriftlichen Überlieferung nicht weiter verwundert. Für einen christlichen Kopisten war es ein Leichtes, den vorliegenden Text in seinem Sinne zu verbessern oder zu „ergänzen“.  → weiterlesen

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Fundierter und spannender Überblick

Rezension zu Hermann Detering:
„Christi Brüder – Wie heidnische Mythen das Christusbild prägten – Eine Revision“, 2017

Von Dr. Dr. Harald Specht

Was den Haupttitel mit Christi Brüder bewusst ambivalent einleitet und bereits im Vorwort in Parenthese gesetzt wird, ist Untersuchungsgegenstand des neuen Buches von Hermann Detering: Die antiken Mysteriengottheiten Attis und Adonis/
Tammuz als heidnische Vorläufer bzw. „Brüder“ Christi.

Ausgehend von den fundamentalen Untersuchungen des schottischen Religionsethnologen J. G. Frazers zum Vergleich von Mythologie und Religion (1890) und den seither diskutierten Parallelen zwischen zahlreichen antiken Gottgestalten, Halbgöttern und Heroen auf der einen und dem christlichen Heiland auf der anderen Seite, analysiert der Autor in einer breit angelegten Übersicht das Für und Wider dieses Ansatzes. Da dieses Thema nicht neu ist und bereits seit über einem Jahrhundert mal mehr und mal weniger tiefgründig aufs Tapet gebracht wurde, kennzeichnet Detering sein neuestes Buch in einem weiteren Untertitel denn auch habil. als „Eine Revision“. Genau in diesem Wortsinn ist dem Verfasser somit eine eingehende Überprüfung und (notfalls auch) Korrektur derartiger Thesen über die „Dying and rising Gods“ möglich.→ weiterlesen

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