Noch einmal: das Kreuz mit der Kante

Wegen meines Artikels „Bedford-Strohm, Marx und das Kreuz mit der klaren Kante“ auf der Achse des Guten wurde ich häufig  gefragt, wie ausgerechnet ich dazu komme, die beiden Kirchenmänner, die bei ihrem Jerusalem-Besuch mit Rücksicht auf ihre Gastgeber auf das Tragen des Kreuzes verzichtet hatten, zu kritisieren.

Nun, warum nicht?  In der BILD-Zeitung hatte der jüdische Historiker Michael Wolffsohn, der ebenfalls Kritik am Verhalten der beiden Kirchenrepräsentanten übte,  die „bange Frage“ gestellt: „Müssen wir Juden jetzt die letzten Verteidiger und Bewahrer des Christentums sein?“ Ich denke, dass ein christlicher Theologe und ehemaliger Pfarrer ebensoviel Recht hat, das Verhalten zu kritisieren, selbst dann, wenn er, wie ich, eine Position einnimmt, die vielen Kollegen wegen ihrer extremen historischen Skepsis als theologisch bedenklich erscheinen mag.

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Heute in ARTE: Nero – Plädoyer für eine Bestie

Nero - Rombrand

Heute abend in ARTE: Nero: Plädoyer für eine Bestie (ab 20.15 h).

„Die Dokumentation widmet sich dem Brand von Rom. Christliche Geschichtsschreiber stilisierten Nero lange nach seinem Tod zum Brandstifter und Christenverfolger. Nach aktuellem Forschungsstand trifft dies nicht zu: Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass Nero Rom anzünden ließ. Auch dafür, dass der Apostel Petrus überhaupt jemals in Rom war, gibt es keine historischen Beweise. Vielmehr handelt es sich um eine Legendenbildung der Geschichtsschreibung früher Jahrhunderte. Das ist insofern von Bedeutung, als der Brand von Rom und die anschließende Christenverfolgung zum Gründungsmythos der katholischen Kirche gehören: Der Vatikan fußt im wahrsten Sinne des Wortes auf diesen Ereignissen. Tatsächlich gibt es keinerlei historischen Nachweis, dass sich Petrus, der erste Bischof von Rom, jemals in der Stadt aufgehalten hat, dass er im Auftrag Neros gekreuzigt und dort begraben wurde.“ (Senderinfo)

Bei der Gelegenheit darf ich an mein Buch „Falsche Zeugen“ erinnern (Tacitus: Der Brand Roms und die „neronische Christenverfolgung“ – Seite 43ff.)

 

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Die dunkle Seite der Wikipedia

Sozusagen als Warnung für alle Wikipedianutzer, die sich über theologische Themen („Jesus”, „Paulus”)  oder auch Politik, Geschichte und sog. „Verschwörungstheorien” informieren wollen, empfehle ich ein Video über die „dunkle Seite der Wikipedia” , eine höchst aufschlussreiche Dokumentation von Markus Fiedler und Frank-Michael Speer. Die beiden werfen einen Blick hinter die Kulissen von Wikipedia, der angeblich so „freien” Internetenzyklopädie.  Die naturwissenschaftlichen Artikel werden positiv gewürdigt, nicht so die gesellschaftwissenschaftlichen, politischen oder historischen.

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Die heilige Sieben

Sieben

Wissenschaftler sind immer froh, wenn sie einen Konsens vorweisen können. Er zeigt, dass ihre Bemühungen nicht ganz erfolglos waren und dass es möglich ist, ihrem Fachgebiet durch solide methodische Arbeit und vernünftige Argumente eine gediegene, allgemein anerkannte Basis zu geben.

Dass in der „seriösen Wissenschaft“ sieben Paulusbriefe als echt gelten, ist inzwischen ein von Verfassern neutestamentlicher Einleitungen, Kommentare und Paulusmonographien so oft repetiertes Urteil, dass man meinen könnte, der Glaube an sieben echte Paulusbriefe sei unter Theologen inzwischen weiter verbreitet als der an die Heilige Dreifaltigkeit.[1] Und doch sei daran erinnert, dass die vermeintliche Einheitsfront von Neutestamentlern durchaus manche Lücke aufweist.

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Hatte Gott eine Frau?

Nicht grundlos ist in den letzten Jahrzehnten der Verdacht geäußert worden, Gottvater Jahwe könnte keineswegs der notorische Junggeselle und Frauenverächter gewesen sein, den uns die Heiligen Schriften Alten Testaments präsentieren (vgl. Lev 12,2-5), sondern ein Techtelmechtel ausgerechnet mit jener Göttin gehabt haben, die in diesen Schriften am schlechtesten wegkommt, d.h. mit einer weiblichen Abart der Astarte-Aphrodite, der Göttin Aschera. Vor dem Hintergrund neuer archäologischer Funde hat der amerikanische Archäologe William Dever sogar die zugespitzte Frage gestellt: Hatte Gott eine Frau? [1]

Dass es mit dem Monotheismus der alten Israeliten nicht ganz so weit her war, wie uns zumal konservative christliche oder jüdische Theologen gern glauben machen wollten, war kritischeren Exegeten schon seit längerem bekannt.

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Unerfindlich?

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Gegen eine mythologische Evangelienerklärung wird oft eingewandt, bestimmte Passagen in den Evangelien hätte sich niemand ausdenken können, sie seien „unerfindlich“, mithin „historisch“. In unterschiedlichen Variationen war dieses Argument schon sehr früh gebraucht  – und ebenso früh widerlegt worden. Angesichts dessen ist es verwunderlich, dass es gleichwohl bis heute immer wieder in Diskussionen auftaucht.

Grundsätzlich wird man sagen müssen, dass diese Argumentation einer gewissen Willkür nicht entbehrt. Denn ob etwas „unerfindlich“ ist oder nicht, hängt immer auch von der Perspektive des jeweiligen Betrachters und nicht zuletzt von dessen eigener Phantasie ab. Falls seine Phantasie nicht besonders groß ist, wird er sich natürlich vieles nicht vorstellen können, was sich jemand mit mehr Phantasie durchaus vorstellen kann. Von einem Schriftsteller wird man eine größere Phantasie erwarten dürfen als von einem trockenen Finanzbeamten oder einem braven Universitätsprofessor, dem ein Zuviel überdies schnell zum Verhängnis werden könnte. Wenn also behauptet wird, etwas sei „nicht vorstellbar“ bzw. „unerfindlich“ sei, so will dies noch nicht viel besagen.

Das Kreuz als „Schandmal“?

In einer TV-Diskussion, die ich Ende 2014 mit den beiden Neutestamentlern Annette Merz und Klaus Wengst zum Thema: „Jesus – Mythos oder Wahrheit“ führte und in der ich die radikalkritische Position verteidigte, hielt mir der emeritierte Professor der Bochumer Ruhruniversität entgegen, dass das Kreuz in der Antike als „Schandmal“ gegolten habe und meine ganze Argumentation infolgedessen nicht stimmen könne.[1]

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Zweifel am historischen Weltenheiland

Eine Buchrezension von M.B.

„In seinem Buch „Jesus? Tatsachen und Erfindungen“ geht Harald Specht der Frage nach, ob Jesus von Nazareth gelebt hat. Anders als die meisten Autoren setzt Specht die Historizität Jesu nicht als eine unhinterfragbare Tatsache voraus, um dann auf der Grundlage der Evangelien viel oder wenig über einen “historischen Jesus” zu wissen zu bekommen. Spechts Interesse an Jesus ist denn auch nicht theologischer, sondern historischer Natur. Der Vorteil seiner unvoreingenommenen Perspektive besteht gegenüber herkömmlichen Jesusbüchern darin, dass sie den Blick weitet und die Möglichkeit einer anderen Geschichte des frühen Christentums überhaupt erst zulässt: „Zeigt sich, dass an der historischen Existenz Jesu eher gezweifelt werden muss, steht weiter zu untersuchen, was zur Erfindung dieser fiktiven Figur führte. Dies mag Irrtümer im Rahmen der Befürwortung eines historischen Jesus klären helfen.“

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Paulus, Markus und andere Verwechslungen

Vier_Apostel_(Albrecht_Duerer)

Richard Carrier über den Gefälschten Paulus

Engl. version: Paul, Mark, and other substitutions: Richard Carrier on The Fabricated Paul

Schon seit Längerem wurde ich von Freunden gebeten, den Blog-Beitrag von Richard Carrier, The Historicity of Paul the Apostle, aus dem Jahre 2015 zu erwidern, worin dieser sich auch über meinen Gefälschten Paulus äußert.[1] Ich tue dies ein wenig verspätet, was teils mit anderweitiger Beschäftigung, teils damit zu tun hat, dass ich bisher nur wenig Lust zu einer Auseinandersetzung verspürte, die notwendig unerfreulich sein würde. Da man mir aber sagte, dass die Ausführungen nicht unwidersprochen bleiben können, will ich der Bitte nachgeben.

Von der Naturphilosophie des frühen Römischen Reiches zu Paulus

Verwundert war ich darüber, dass Herr Carrier erklärte, er könne meine Qualifikation auf diesem Gebiet, also dem der neutestamentlichen/paulinischen Forschung, nicht beurteilen.[2] Herr Carrier muss das auch gar nicht, da andere das vor ihm getan haben. Er darf sich getrost darauf verlassen, dass jemand, der eine Dissertation über Paulus verfasst hat, die von einem namhaften deutschen Neutestamentler, Walter Schmithals, betreut wurde,[3] auf dem Felde der paulinischen Forschung nicht ganz unbewandert und durchaus zu qualifizierten Äußerungen imstande ist – gewiss nicht weniger als jemand, der, wie er selber, über die Naturphilosophen des frühen Römischen Reiches promoviert hat.[4]

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Der zeitversetzte Jesus

Zu Lena Einhorns Buch:  A Shift in Time

Engl. Translation by René Salm

Nytt-bokomslagLena Einhorn hat sich in Schweden als Dokumentarfilmerin einen Namen gemacht. In Deutschland ist sie durch das Holocaustbuch: Ninas Reise: wie meine Mutter dem Warschauer Ghetto entkam, bekannt geworden.[1] Im letzten Jahrzehnt rückte die Geschichte des frühen Christentums in den Fokus ihres Interesses. 2006 erschien ihr Buch The Jesus Mystery, das in deutscher Übersetzung unter dem Titel Das Rätsel von Damaskus: waren Jesus und Paulus ein und dieselbe Person? 2007 im Heyne-Verlag erschienen ist.[2] Seit 2010 hielt sie auf den jährlichen Tagungen der SBL eine Reihe von Vorträgen, in denen sie eine neue Hypothese zur Entstehung des frühen Christentums vorstellte. Die Summe ihrer bibelkritischen Arbeit findet sich in ihrem 2016 erschienenen Buch: A Shift of Time. How Historical Documents reveal the surprising truth about Jesus. [3]

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