Die gnostische Deutung des Exodus und die Anfänge des Josua/Jesus-Kultes

Die gnostische Interpretation des Exodus-Motivs berührt sich eng mit buddhistisch-indischen Vorstellungen. Die Frage, wo die beiden Linien, jüdische Tradition und hebräische Bibel einerseits, buddhistische bzw. indische Spiritualität andererseits, konvergierten, führt zu den Therapeuten, über die Philo von Alexandrien in seiner Schrift De Vita Contemplativa berichtet. Bei den Therapeuten handelte es sich höchstwahrscheinlich um jüdische Buddhisten bzw. buddhistische Juden. Ihr zentrales Mysterium war eine nächtliche Feier des Exodus, der von ihnen als Übergang von der sinnlich-materiellen (= Ägypten) zur geistig-intelligiblen Sphäre (= Wüste/Heiliges Land) gedeutet wurde. Frühe christliche Gnostiker wie Peraten und Naassener knüpften daran an. Dabei übertrugen sie jedoch auf den Nachfolger des Mose, Josua, was bei den stärker in der jüdischen Tradition verwurzelten Therapeuten Mose vorbehalten blieb. Jesus/Josua wurde bei ihnen zum Gegenbild des Mose. Der alte Mosaismus sollte durch den neuen, gnostisch-christlichen Josuanismus überboten werden.

Der christliche Erlöser Josua/Jesus war, so betrachtet, nichts anderes als ein Ergebnis der jüdisch-buddhistischen Exegese des Alten Testaments. Der „geschichtliche“ Jesus, d. h. Jesus von Nazaret, wurde im Laufe des 2. Jahrhunderts aus dem Bild des alttestamentlichen Josua heraushypostasiert.

Die gnostische Deutung des Exodus

Facebooktwittergoogle_plusredditlinkedinmail

Roland Weber: „Jesus, Römer, Christentum – Makaberste Tragödie des Abendlands“

Rezension von Dr. Dr. Harald Specht

Mit Ockhams Klinge ans Christentum?

Der etwas sperrige Titel des neuen Buches von Roland Weber täuscht: Mit klaren Worten und für jedermann verständlich versteht es der Autor vorbildlich, die Entstehung des Christentums anhand seiner These zu erklären. Zugegeben: Eine „steile“ und „atemberaubende These“, wie der Klappentext die Ergebnisse des Autors zusammenfasst. Danach sei das Christentum eine freie Erfindung des römischen Kaiserhauses zur Zeit des Kaisersohnes und späteren Imperators Titus. Als Spiritus rector und Haupt-Verfasser der Evangelien fungierten hierbei vor allem der zu den Römern übergelaufene jüdische Historiker Flavius Josephus und weitere Komplizen, die Weber unter der griffigen Formel einer „römischen Schreibstube“ subsummiert.

→ weiterlesen

Facebooktwittergoogle_plusredditlinkedinmail

„Amatoria carmina studiose discunt“ – Basilides und die Oden Salomos

Dr. Hermann Detering – 2017

Abstract: Despite repeated attempts, to date scholarship has failed to identify the author of the Odes of Solomon. A scholion by Augustine may provide an overlooked clue and furnishes the basis for renewed investigation. This article argues that the “amatoria carmina” attributed to Basilides by Augustine are in fact the Odes of Solomon. This article examines a series of striking parallels between the theology of the Odes and the theology of Basilides as reported by the church fathers, and it proposes that the author of the Odes was none other than that early Christian “heretic.”

1.Die Oden Salomos – Verfasserfrage und Datierung

Bei der Bestimmung von Entstehungszeit und Entstehungsmilieu der Oden Salomos bewegte sich die Forschung lange Zeit zwischen den beiden von Michael Lattke 1998 angedeuteten Extremen: Entweder man ordnete sie in die antimarcionitische Polemik des dritten Jahrhunderts ein oder man sah in ihnen das „Produkt einer vom heterodoxen Judentum beeinflußten christlichen Frühgnosis“ und entschied sich für eine Datierung im frühen zweiten Jahrhundert.

→WEITERLESEN

Facebooktwittergoogle_plusredditlinkedinmail

Hinweis

Mein Aufsatz aus dem Jahr 2015: „Die Entstehung der Weihnachtsgeschichte aus dem Geist der frühchristlichen Theologie“ wurde von Aleš Pořízka ins Tschechische übersetzt. Die Übersetzung können tschechische Leser auf der Webseite „Fidelo“ lesen, also  hier.

Auf diesem Wege möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass viele Artikel inzwischen nur noch im Archiv zu finden sind. Wer etwas vermisst, sollte nicht vergessen, hier zu recherchieren.

Der Beitrag Gnostische Elemente in den Paulusbriefen aus dem Jahre 2014 wurde von mir aktualisiert.

 

Facebooktwittergoogle_plusredditlinkedinmail

Wie das Abendland christlich wurde

Harald Specht: Das Erbe des Heidentums – Antike Quellen des christlichen Abendlands. – Tectum Wissenschaftsverlag, Marburg 2015

Mit seinem Buch „Erbe des Heidentums“ hat der durch eine Reihe kulturgeschichtlicher Sachbücher bekannt gewordene Autor Harald Specht aus Köthen sein Summum opus vorgelegt. Diesmal geht es um Europas geistesgeschichtliche Wurzeln. Auf 700 Seiten erwartet den Leser eine Tour de Force durch die Kultur- und Religionsgeschichte des Abendlandes. Der Inhalt des Buches berührt sich teilweise mit der Thematik vorangegangener Werke. Die Ausführungen über die ägyptische Religion basieren auf Spechts Isis-Buch: „Von Isis zu Jesus – 5000 Jahre Mythos und Macht“ aus dem Jahre 2004 (Neuauflage 2010). Der Inhalt der Kapitel über das frühe Christentum überschneidet sich mit „Jesus? Tatsachen und Erfindungen“ (2010). Bei seiner Beschäftigung mit der antiken Zahlensymbolik konnte der Autor auf die Ergebnisse seines Buches „Der Jahwe-Code – Auf den Spuren der heiligen Zahl“ zurückgreifen.

→ weiterlesen

Facebooktwittergoogle_plusredditlinkedinmail

Jesus Christus: Was ist belegte Tatsache, was bloße Erfindung?

Eine Rezension von Siegfried R. Krebs

WEIMAR. (fgw) Der zweifach promovierte Naturwissenschaftler Harald Specht beschäftigt sich nicht nur mit materiell-gegenständlichen Dingen, sondern intensiv auch mit geisteswissenschaftlichen Themen: Sei es kunsthistorisch oder religions- und kirchenkritisch. Die Betonung liegt dabei auf wissenschaftlicher Beschäftigung, daher stellt er seinem wohl besten Buch „Jesus? Tatsachen und Erfindungen“ einen bekannten Spruch von René Descartes voran: „De omnibus dubitandum – An allem ist zu zweifeln“. Und eben das unterscheidet Wissenschaft von der Theologie, die nur absolute Wahrheiten verkündigen kann und will. Daher kommt der Frage nach der neutestamentarischen Figur „Jesus“ überragende Bedeutung zu. Steht oder fällt doch mit der Antwort die Religion des Christentums, insbesondere die Institution „Kirche“ mitsamt des Machtanspruches der Priesterkaste über Mensch, Gesellschaft und Staat.

Link zur Rezension

Facebooktwittergoogle_plusredditlinkedinmail

Das Erbe des Heidentums

9783828835610_1Harald Specht: Das Erbe des Heidentums – Quellen des christlichen Abendlands
ISBN 978-3-8288-3561-0 – 700 Seiten, Paperback – Tectum Verlag 2015

Ausgehend von einem rätselhaften Gemälde der Renaissance-Zeit nimmt Harald Specht seine Leser mit auf eine Reise durch die Jahrtausende der Religionsgeschichte. Vor dem Hintergrund der antiken Religion und Philosophie, der Mythen, Mysterienkulte und esoterischen Geheimlehren zeichnet der Autor ein anderes, ungewohntes Bild auch der Anfänge der christlichen Religion.

In seinem über 600 Seiten starken Buch gelingt es dem Autor, alle Zweifel auszuräumen: Der bis heute anhaltende Eindruck der Einzigartigkeit und Unvergleichlichkeit des Christentums verdankt sich einer geschickten, groß angelegten Geschichtsfälschung. Überzeugen kann die herkömmliche, kirchlich abgesegnete Geschichtsschreibung nur denjenigen, der die historischen Anfänge des Christentums isoliert betrachtet, sich also für die Religion der Antike nicht weiter interessiert, und die Historizität Jesu immer schon dogmatisch voraussetzt.

→ weiterlesen

Facebooktwittergoogle_plusredditlinkedinmail

Noch einmal: das Kreuz mit der Kante

Wegen meines Artikels „Bedford-Strohm, Marx und das Kreuz mit der klaren Kante“ auf der Achse des Guten wurde ich häufig  gefragt, wie ausgerechnet ich dazu komme, die beiden Kirchenmänner, die bei ihrem Jerusalem-Besuch mit Rücksicht auf ihre Gastgeber auf das Tragen des Kreuzes verzichtet hatten, zu kritisieren.

Nun, warum nicht?  In der BILD-Zeitung hatte der jüdische Historiker Michael Wolffsohn, der ebenfalls Kritik am Verhalten der beiden Kirchenrepräsentanten übte,  die „bange Frage“ gestellt: „Müssen wir Juden jetzt die letzten Verteidiger und Bewahrer des Christentums sein?“ Ich denke, dass ein christlicher Theologe und ehemaliger Pfarrer ebensoviel Recht hat, das Verhalten zu kritisieren, selbst dann, wenn er, wie ich, eine Position einnimmt, die vielen Kollegen wegen ihrer extremen historischen Skepsis als theologisch bedenklich erscheinen mag.

→ weiterlesen

Facebooktwittergoogle_plusredditlinkedinmail

Die dunkle Seite der Wikipedia

(aktualisiert am 19. 12. 2016)

Sozusagen als Warnung für alle Wikipedianutzer, die sich über theologische Themen („Jesus”, „Paulus”)  oder auch Politik, Geschichte und sog. „Verschwörungstheorien” informieren wollen, empfehle ich ein Video über die „dunkle Seite der Wikipedia” , eine höchst aufschlussreiche Dokumentation von Markus Fiedler und Frank-Michael Speer. Die beiden werfen einen Blick hinter die Kulissen von Wikipedia, der angeblich so „freien” Internetenzyklopädie.  Die naturwissenschaftlichen Artikel werden positiv gewürdigt, nicht so die gesellschaftwissenschaftlichen, politischen oder historischen.

→ weiterlesen

Facebooktwittergoogle_plusredditlinkedinmail

Die heilige Sieben

Wissenschaftler sind immer froh, wenn sie einen Konsens vorweisen können. Er zeigt, dass ihre Bemühungen nicht ganz erfolglos waren und dass es möglich ist, ihrem Fachgebiet durch solide methodische Arbeit und vernünftige Argumente eine gediegene, allgemein anerkannte Basis zu geben.

Dass in der „seriösen Wissenschaft“ sieben Paulusbriefe als echt gelten, ist inzwischen ein von Verfassern neutestamentlicher Einleitungen, Kommentare und Paulusmonographien so oft repetiertes Urteil, dass man meinen könnte, der Glaube an sieben echte Paulusbriefe sei unter Theologen inzwischen weiter verbreitet als der an die Heilige Dreifaltigkeit.[1] Und doch sei daran erinnert, dass die vermeintliche Einheitsfront von Neutestamentlern durchaus manche Lücke aufweist.

→ weiterlesen

Facebooktwittergoogle_plusredditlinkedinmail